Leitfäden und Online-Tools als Unterstützung für den Anpassungsprozess

(15.12.2011) Um den Folgen des Klimawandels vorsorgend zu begegnen, müssen - neben den unverzichtbaren Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen - auch Strategien und Maßnahmen zur Anpassung entwickelt und umgesetzt werden. Frühzeitige Anpassung an den Klimawandel bedeutet, mögliche negative Auswirkungen zu vermeiden und positive Entwicklungen nutzen zu können. Unterschiedliche AkteurInnen, von Unternehmen, NGOs bis hin zur öffentlichen Verwaltung (von lokaler bis zur europäischen Ebene) können von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und somit in der Anpassung gefordert sein. Doch wie kann ein solcher Prozess zur Anpassung gestartet werden? Woher kommen die notwendigen Informationen, die für eine robuste Anpassung benötigt werden? Und wie können die bestehenden Unsicherheiten kommuniziert werden?

 

Für diese und viele weitere Fragen, die im Laufe eines Anpassungsprozesses auftreten können, bieten Leitfäden und Online-Tools Hilfestellungen an. Diese begleiten den Anpassungsprozess zumeist von der Sensibilisierung für das Thema über das Erarbeiten von Anpassungsmaßnahmen bis hin zu Umsetzung und Erfolgskontrolle. Leitfäden sind in vielen Fällen sehr umfangreiche Dokumente, die auf wesentliche Punkte im Anpassungsprozess hinweisen und in Form von Checklisten, Infoblättern, Anleitungen zur Stakeholderanalyse oder Ist-Standerhebungen unterstützen. Online-Tools setzen sich zumeist aus mehreren Modulen zusammen und begleitet Interessierte dabei, sich schrittweise und systematisch mit dem Thema Anpassung auseinander zu setzen.

 

 

Welche Leitfäden und Online-Tools liegen für die Anpassung vor?

 

Über 50 Leitfäden und eine kleine Anzahl von Online-Tools bieten Unterstützung für die Anpassung an den Klimawandel an. Die Arbeiten wurden von internationalen Organisationen (z.B. United Nation Development Programme - UNDP), von der Europäischen Kommission oder von Ministerien unterschiedlicher Länder (z.B. Großbritannien, Neuseeland) finanziert. Die ersten Leitfäden – in Form von öffentlich zugänglichen Berichten - wurden in den 90ern veröffentlicht; diese legten jedoch einen klaren Fokus auf die Abschätzung der Klimawandelfolgen (z.B. IPCC 1994, Feenstra et al., 1998). Leitfäden mit dem ausdrücklichen Ziel den Anpassungsprozess zu unterstützen, finden sich ab 2003. Sie wurden für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert, wobei die meisten darauf abzielen, EntscheidungsträgerInnen in der öffentlichen Verwaltung zu unterstützen. Einige Leitfäden fokussieren auf den Anpassungsprozess in weniger entwickelten Ländern (z.B. Kropp & Scholze 2009) oder auf bestimmte Sektoren, wie z.B. auf den Bereich Wasser (z.B. UNECE 2009). Andere wiederum adressieren eine bestimmte Zielgruppe bzw. Entscheidungsebene, wobei vor allem für die lokale Ebene einige Arbeiten vorliegen (z.B. ICLEI 2008). Der Großteil der Leitfäden ist aber für keinen bestimmten Sektor oder keine Entscheidungsebene konzipiert.

 

Online-Tools für die Anpassung sind in den letzten Jahren verstärkt aufgekommen. Hier hat – wie auch bei den Leitfäden– Großbritannien Pionierarbeit geleistet und im Rahmen des UKCIPs (United Kingdom Climate Impacts Programme) das erste Tool namens Adaptation Wizard im Internet 2009 zugänglich gemacht. Neben dem britischen Online-Tool steht seit 2010 auch der Klimalotse vom Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung Deutschland (KomPass) und seit 2011 ein Online-Guide des Umweltministeriums Norwegen zur Verfügung. Seit Anfang 2010 wird auch der Stadtklimalotse als Online-Beratungsinstrument zur Auswahl von geeigneten Klimaanpassungsmaßnahmen für die kommunale Stadtentwicklung in Deutschland entwickelt (www.stadtklimalotse.de, finanziert durch BMVBS/BBSR). Weiters wird ab März 2012 im Rahmen des Europäischen Clearinghouse für Anpassung ein Online-Tool als Entscheidungshilfe im Anpassungsprozess bereit gestellt.

 

Exemplarisch werden im Folgenden zwei Leitfäden und zwei Online-Tools für die Anpassung an den Klimawandel näher beleuchtet und inhaltlich beschrieben.

 

 

A. Zwei Beispiele zu Leitfäden

 

1. Leitfaden für die Anpassung in Regionen 

 

Um Regionen bei der Vorbereitung auf die Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen, hat die Europäische Kommission einen umfassenden Leitfaden zur Erstellung von regionalen Anpassungsstrategien für regionale Behörden und andere regionale Körperschaften veröffentlicht.

 

Die Leitlinie Design of guidelines for the elaboration of Regional Climate Change Adaptations Strategies identifiziert Schlüsselprobleme in der Anpassung und schlägt einen Ablauf zur Erstellung von regionalen Anpassungsstrategien vor. Die Schlüsselphasen für die Erstellung von regionalen Anpassungsstrategien sind:

 

a) Treffen der nötigen Vorbereitungen,

 

b) Feststellung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Region,

 

c) Festlegung der strategischen Ausrichtung und

 

d) Planung und Anwendung konkreter Anpassungsmethoden.

 

Zusätzlich geht der Leitfaden auf drei Themen ein, die für alle Stufen des Anpassungsprozesses von Bedeutung sind: Informationenserfassung, Einbeziehung von Stakeholdern und Monitoring/Evaluierung.

 

Link zum Dokument

 

 

2. Leitfaden für die Anpassung in Städten

 

Ein knapper, aber inhaltsreicher Leitfaden für die Erstellung einer Anpassungsstrategie in Städten wurde im Rahmen des EU-finanzierten Projektes GraBs (Green and blue space adaptation for urban areas and eco towns) erstellt.

 

Der Leitfaden GRaBs Climate Change Adaptation Action Plan Guidance enthält eine Reihe von Fragen, die den EntscheidungsträgerInnen in Städten hilft, sich systematisch mit den Klimafolgen und der notwendigen Anpassung auseinander zu setzen. Für die Erstellung einer Anpassungsstrategie werden folgende sechs Schritte vorgeschlagen:

 

a) Ist-Stand-Erhebung und Start des Prozesses,

 

b) Erfassung des vorhandenen Bewusstseins für die Anpassung und entsprechender Möglichkeiten,

 

c) Festlegung der Ziele in der Anpassung,

 

d) Ausarbeitung eines Aktionsplans für Anpassung,

 

e) Umsetzung und Monitoring sowie

 

f) Evaluierung und Berichtslegung.

 

Link zum Dokument

 

 

B. Zwei Beispiele zu Online-Tools

 

1. Der Klimalotse

 

Der Klimalotse von KomPass Deutschland richtet sich an Anpassungsinteressierte, die bislang noch kein oder nur geringes Vorwissen zum Thema haben. Angesprochen werden vor allem VertreterInnen von kleinen und mittleren Unternehmen und Kommunen, öffentlich-rechtlichen Körperschaften sowie Wirtschafts- und Umweltverbände.

 

Das Tool besteht aus fünf Modulen, die einen allgemeinen Anpassungsprozess vorzeichnen. Die Module enthalten Leitfragen und Aufgaben, die bearbeitet werden sollen. Am Ende eines jeden Moduls werden die Kernbotschaften in Form einer Checkliste angeführt. AnwenderInnen erfahren mit folgenden fünf Modulen Unterstützung in der Anpassung:

 

a) Einführung in die Anpassung,

 

b) Erkennung und Beschreibung von Klimaveränderungen,

 

c) Identifizierung und Evaluierung von Risiken und Chancen,

 

d) Identifizierung und Evaluierung von Anpassungsmaßnahmen und

 

e) Erstellung und Umsetzung von Anpassungsstrategien.

 

Link zum Online-Tool

 

 

Neben dem Klimalotsen steht in Deutschland auch ein Online-Tool als Unterstützung der Anpassung für die kommunale Stadtentwicklung zur Verfügung. Der Stadtklimalotse greift auf eine Datenbank mit rund 140 Maßnahmen zurück und hilft durch verschiedene Abfragemöglichkeiten die potenziell interessanten Maßnahmen für den lokalen Kontext auszuwählen. Wichtig ist dabei die Identifikation von Synergien und Konflikten zwischen einzelnen Maßnahmen  

 

Link zum Online-Tool

 

 

2. Adaptation Wizard

 

Das Online-Tool von UKCIP unterstützt Organisationen auf dem Weg zur Anpassung und schlägt dafür fünf Stufen vor. Diese reichen von der Schaffung der Basis für die Anpassung, über die Identifizierung der aktuellen und zukünftigen Vulnerabilität bis hin zur Formulierung, Umsetzung und Evaluierung von Anpassungsmaßnahmen. Darüber hinaus enthält das Online-Tool eine Sammlung von Methoden für spezifische Fragestellungen im Anpassungsprozess (z.B. zum Umgang mit Unsicherheit). Erst kürzlich wurde ein umfangreiches Werkzeug namens AdaptMe für Fragestellungen rund um Monitoring und Evaluierung veröffentlicht.

 

Link zum Online-Tool (abrufbar nach kostenloser Registrierung)

 

 

Das österreichische Toolkit: FAMOUS

 

Auch wenn eine Reihe von Leitfäden vorliegt, fehlt es österreichischen EntscheidungsträgerInnen auf der lokalen, regionalen und Landesebene an konkreter Unterstützung bei der Entwicklung von Anpassungsprozessen, welche die Besonderheiten Österreichs in geographischer, politischer, institutioneller oder kultureller Hinsicht adressieren.

 

Vor diesem Hintergrund zielt das vom Klima- und Energiefonds geförderte Projekt FAMOUS (Factory for Adaptation Measures Operated by Users at different Scales) darauf ab, die Anpassung an den Klimawandel in den Bundesländern sowie in den Regionen und Gemeinden Österreichs mit maßgeschneiderten Anpassungs-Toolkits zu unterstützen und zu fördern. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Projektes - transdisziplinär mit AkteurInnen der Zielgruppe - Werkzeuge und Methoden als Hilfestellung für den Anpassungsprozess an den Klimawandel konzipiert, in zwei Untersuchungsregionen getestet und evaluiert.

 

Die Toolkits sind vergleichbar mit einer Werkzeugkiste, die für die Unterstützung im Anpassungsprozess eine Auswahl von Werkzeugen und Methoden vorschlägt und bereitstellt. Konkret sollen die Toolkits folgende drei Schritte unterstützen:

 

1) Basis für die Anpassung schaffen;

 

2) Probleme erkennen und Prioritäten setzen sowie

 

3) Lösungen finden, Aktionen umsetzen und laufend beobachten.

 

Die FAMOUS-Toolkits zielen im Besonderen darauf ab, mögliche Barrieren in der Erstellung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen im Vorfeld zu überwinden. Weiteres bauen sie auf einem besseren Verständnis von Multi-Level Governance von Anpassung in Österreich auf. Die Toolkits werden in einem Dokument zusammengefasst und im Sommer 2013 im Internet zugänglich gemacht.  

 

 

  

Referenz:

 

Das Schwerpunktthema baut auf den Ergebnissen von FAMOUS (gefördert durch den Klima- und Energiefonds – Programm ACRP) auf.

 

Projektleitung: Andrea Prutsch, Umweltbundesamt Wien

Email: andrea.prutsch@umweltbundesamt.at 

Projektpartner: Reinhard Steurer & Christoph Clar, Universität für Bodenkultur Wien, InFER – Institut für Wald-, Umwelt- u. Ressourcenpolitik

Projektlaufzeit: Februar 2011 bis Juli 2013

 

 

 

Links zu weiteren Leitfäden:

 

Bizikova, L., Neale, T. & I. Burton (2008): Canadian communities guidebook for adaptation to climate change. Environment Canada’s Adaptation and Impacts Research Division. Link

 

Brown, A., Gawith, M., Lonsdale, K. & P. Pringle (2011): Managing adaptation: linking theory and practice. UK Climate Impacts Programme (UKCIP). Link

 

Feenstra, J.F., Burton, I., Smith, J.B. & R.S.J. Tol (Eds.) (1998): Handbook on Methods for Climate Change Impact Assessment and Adaptation Strategies. United Nations Development Programme. Link

 

ICLEI Oceania (2008): Local government climate change adaptation toolkit. ICLEI. Link [PDF]

 

IPCC (Carter, T., Parry, M., Harasawa, H. & S. Nishioka) (1994): IPCC technical guidelines for assessing climate change impacts and adaptations. Link

 

Kropp, J. & M. Scholze (2009): Climate Change Information for Effective Adaptation. A practitioner`s Manual. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in cooperation with Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK). Link

 

Lim B. & E. Spanger-Siegfried (Eds.) (2004): Adaptation Policy Frameworks for Climate Change. United Nations Development Programme. Link

 

Mullan, B., Wratt, D., Dean, S., Hollis, M., Allan, S., Williams, T., & G. Kenny (2008): Preparing for Climate Change. A guide for local government in New Zealand. Ministry for the Environment New Zealand. Link

 

Parzen, J. (Eds) (2008): Chicago Area Climate Change Quick Guide: Adapting to the Physical Impacts of Climate Change. Chicago Climate Task Force. Link

 

Snover, A.K., L. Whitely Binder, J. Lopez, E. Willmott, J. Kay, Howell D. & J. Simmonds (2007): Preparing for Climate Change: A Guidebook for Local, Regional, and State Governments. The Climate Impacts Group, King County, Washington, ICLEI. Link

 

UNECE (2009): Guidance on water and adaptation to climate change. UNECE Link [PDF]

Zum Thema

Folder FAMOUS [PDF]

Letzte Änderung: 08.05.2013