Naturverrückt

(4. Mai 2016) „Verrückte“ Temperatur – „verrückte“ Natur?

 

Wann, wo und welche Pflanzenarten um uns herum im Jahresverlauf und der damit verbundenen Witterung austreiben, blühen und Früchte bringen, ist für uns schon seit jeher von großem Interesse. In der Vergangenheit bildeten derlei phänologische (vom altgriechischen phaíno: „ich erscheine“) Beobachtungen und Aufzeichnungen vor allem eine wichtige Wissensgrundlage zur Nahrungsversorgung; etwa zur Wahl des richtigen Aussaatzeitpunktes.

 

Heute gewinnen phänologische Daten zudem in der Klimaforschung an Bedeutung. Die Jahresmitteltemperatur stieg im Alpenraum während der letzten 100 Jahre um etwa 1,8 °C an. Infolge wird selbst für Laien zunehmend sichtbar, dass der Frühling mit der ersten Blüte oder dem Beginn des Laubaustriebs deutlich früher ins Land zieht und sich auch der Beginn der Herbstverfärbung verschoben hat. Mittlerweile ist es dadurch insgesamt zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode um bis zu zwei Wochen gekommen. Um aber die genauen Zusammenhänge zwischen meteorologischen sowie klimatischen Faktoren und den pflanzlichen Entwicklungen besser wissenschaftlich erforschen zu können, werden zusätzlich zu den Messwerten der Wetterstationen auch phänologische Beobachtungen von Pflanzen aus ganz Österreich benötigt. Allerdings sind solche flächendeckenden Erhebungen allein von WissenschaftlerInnen kaum zu bewältigen. Stellt sich daher die Frage: Können nicht auch „AmateurInnen“ phänologische Daten erheben, die wissenschaftlichen Kriterien entsprechen?

© Maria Deweis
Blühende Felsenbirne

Schülerinnen und Schüler forschen mit

 

Wie „Citizen Science“ erfolgreich funktionieren kann, veranschaulicht das im Herbst 2014 gestartete Projekt „NaturVerrückt“, in dem die Auswirkungen von Wetter und Klima auf heimische Wildgehölze und landwirtschaftliche Kulturpflanzen untersucht werden. Das unter dem Forschungsprogramm Sparkling Science bis Oktober 2016 laufende Projekt wird von der  Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Kooperation mit dem Landschaftsplanungsbüro LACON, der BOKU Wien und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) sowie mit fünf landwirtschaftlichen Fachschulen aus Niederösterreich durchgeführt. Eine besondere Schlüsselrolle kommt dabei den Schülerinnen und Schülern zu, die an eigens gepflanzten Hecken und auf ihren landwirtschaftlichen Versuchsflächen wissenschaftlich fundierte phänologische Daten erheben. Über eine eigens entwickelte Phäno-App werden die Daten direkt in das phänologische Beobachtungsnetzwerk der ZAMG sowie in die europäische phänologische Datenbank eingespeist und stehen so auch anderen Forschungs- und Bildungsinitiativen zur Verfügung. Mithilfe von am Schulgelände erhobenen Witterungsdaten können Zusammenhänge zwischen Temperaturverlauf und Naturentwicklung der Wildgehölze und landwirtschaftlichen Kulturarten erforscht und Auswirkungen der Klimaänderung analysiert werden.

 

Update ObstVerrückt: 2016 können alle mitmachen!

 

Bei der Aktion ObstVerrückt der ZAMG, die von 1. April bis 30. September 2016 läuft, können dieses Jahr nun alle Interessierten (ob als Einzelpersonen, Gruppe, oder Schulklasse) in Österreich als Citizen Scientists phänologische Daten von den Obstgehölzen Apfel, Birne, Marille, Ribisel, Süßkirsche, Wein und Zwetschke sammeln. Um daran teilzunehmen, ist lediglich die kostenlose App „NaturVerrückt“ herunterzuladen, oder die Registrierung an einem Computer durchzuführen, wenn die Aufnahmen mit einer Kamera gemacht werden. Mitmachen lohnt sich, denn unter allen TeilnehmerInnen werden Sach- und Geldpreise verlost.

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Letzte Änderung: 04.05.2016