Der österreichische Klimatag - eine Institution für Vernetzung und Austausch

(4. Mai 2016) Der Klimatag wurde in den letzten Jahren zu einem Fixpunkt für die österreichischen KlimawissenschaftlerInnen. Dort begegnen einander ForscherInnen der unterschiedlichsten Disziplinen, für die der Klimawandel eines der wichtigsten Themenbereiche ist. Am diesjährigen Klimatag haben rund 300 Personen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis teilgenommen.

 

Geschichte / Entstehung des Österreichischen Klimatags

 

Der Grundstein für den Klimatag wurde bereits vor rund 25 Jahren gelegt. Anfang der 1990iger Jahre trafen sich, von der ZAMG organisiert, erstmalig österreichische KlimaforscherInnen um Forschungsergebnisse und -bedarf zu diskutieren und sich zu vernetzen. In den ersten Jahren seines Bestehens fand der Klimatag noch in unregelmäßigen Abständen als Halbtagsveranstaltung statt.

 

Das folgenschwere Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 trug unter anderem dazu bei, dass sich der Klimatag als regelmäßiges und fixes Event in der österreichischen Klimaforschung etablierte. Die Frage, ob Extremereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen seien, bestimmte nun die öffentliche Diskussion.

 

Österreichische WissenschaftlerInnen, die in der Klima- und Klimafolgenforschung tätig waren, schlossen sich daraufhin in der Klimaforschungsinitiative AustroClim zusammen, um sich interdisziplinär den wissenschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. AustroClim wollte das Thema Klimawandel in der Öffentlichkeit stärker verankern, die erforderlichen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durch Bereitstellung wissenschaftlicher Grundlagen unterstützen und – ganz wesentlich – auf die fehlende Forschungsfinanzierung dieses Bereichs aufmerksam machen. Zusätzlich wurde 2003 auch das Klimafolgenforschungsprogramm StartClim gegründet. Schon damals war klar, dass die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel in vielen  fächerübergreifend geschehen muss.

 

Auf Initiative von Frau Prof. Helga Kromp-Kolb entwickelte sich die Organisation des Klimatags zu einer wesentlichen Aktivität von AustroClim. Dieser stand von Anfang an ganz im Zeichen der Präsentation aktueller österreichischer Forschungserkenntnisse und der Vernetzung der ForscherInnen untereinander. Von 2002 bis 2010 fand der Klimatag im Abstand von zwei Jahren als zweitägige Veranstaltung an der Universität für Bodenkultur statt.

 

Jährlicher Fixpunkt der Klimaforschung

 

Seit 2010, ab dem 11. Österreichischen Klimatag, wird der Klimatag jährlich veranstaltet und von verschiedenen Sponsoren und Mitveranstaltern unterstützt. Seit diesem Zeitpunkt nimmt er auch eine wichtige Funktion zur Vorstellung und Diskussion der Forschungsprojekte des Austrian Climate Research Programms des Klima- und Energiefonds ein. Seit damals ist der Klimafonds auch regelmäßig Kooperationspartner des Klimatags.

 

Im Jahr 2011 wurde das Climate Change Center Austria (CCCA) mit dem Ziel gegründet, die Klimaforschung zu stärken, international zu profilieren und gesellschaftlich zu verankern. Das CCCA trat erstmalig im September 2011 beim 12. Österreichischen Klimatag als Mitveranstalter in Erscheinung. Im Jahr 2012 hat AustroClim seine Agenden an CCCA übergeben und sich als Verein aufgelöst. CCCA hat somit auch die Organisation des Klimatags übernommen. Seit 2013 ist das CCCA Hauptveranstalter des Klimatags.

 

Der 15. Klimatag im Jahr 2014 fand erstmals außerhalb Wiens in Innsbruck statt. Im darauf folgenden Jahr wurde der Klimatag wieder in Wien, in den Räumlichkeiten der Wirtschaftsuniversität Wien veranstaltet. Der diesjährige 17. Klimatag war nun erstmals in Graz. Durch den nunmehr regelmäßig wechselnden Veranstaltungsort hat sich einerseits die Anzahl der unterschiedlichen MitveranstalterInnen und gleichzeitig der TeilnehmerInnenkreis erhöht. Zahlreiche der CCCA Mitglieder bringen sich jedes Jahr in die Gestaltung des Klimatags sowie in die Umsetzung der unterschiedlichen Programmpunkte ein, ohne deren aktives Zutun der Klimatag in seiner heutigen Form nicht möglich wäre.

© CCCA/Creative Commons (BY-SA)

Im Laufe seiner Geschichte, insbesondere seit dem Jahr 2013 hat sich die Veranstaltung zu dem Groß-Event der österreichischen Klimaforschung  entwickelt. Das zweitägige Programm wurde um eine „Ice-Breaker-Veranstaltung“ zu aktuellen Themen am Vorabend und einer Abendveranstaltung am 1. Veranstaltungstag erweitert. Da im Laufe der Zeit die Anzahl der eingereichten Vorträge und Poster beträchtlich zugenommen hat, findet die Präsentation der neuesten Forschungsergebnisse nun seit einigen Jahren in mehreren Parallelsessions statt. Nicht zuletzt bietet er den TeilnehmerInenn ausreichend Zeit in den Pausen das Gehörte zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen.

 

Neben dem Austausch unter ForscherInnen fördert der Klimatag den Dialog zwischen Forschung, Verwaltung und Gesellschaft. An den letzten Klimatagen wurden daher Programmpunkte in Kooperation mit den Landesregierungen der Gastgeberorte integriert, um AnwenderInnen verstärkt mit den ForscherInnen zusammenzubringen. 2014 in Tirol stand der Dialog mit der Verwaltung im Vordergrund. Aktuelle Themen des Klimawandels  wurden in Form einer Podiumsdiskussion und unter aktiver Einbeziehung der TeilnehmerInnen diskutiert. Im Jahr 2015 gab es einen von der Stadt Wien initierten MultiplikatorInnen-Austausch, dieses Jahr hat in Kooperation mit dem Land Steiermark ein Workshop zu „Kommunikation für den Klimaschutz“ stattgefunden.

 

Der international renommierte und bekannte Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Graßl ist seit Jahren ein Kenner der österreichischen Klimaforschung. Seit dem Jahr 2007 ist er Gutachter im Klimaforschungsprogramm StartClim und seit 2009 auch Steering-Committee Mitglied im Austrian Climate Research Programm des Klima- und Energiefonds.  Durch seine Funktionen und als regelmäßiger Teilnehmer des Klimatags  hat er einen umfassenden Einblick auf die Forschungsaktivitäten in Österreich. Aus seiner Sicht haben der Klimatag und die Klimaforschung in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung erfahren und massiv an Bedeutung gewonnen. Die internationale Sichtbarkeit und Beachtung hat deutlich zugenommen. Die Veranstaltung nimmt eine außerordentlich  wichtige Rolle für die Vernetzung und wissenschaftliche Diskussion innerhalb der Forschungscommunity und mit der Verwaltung ein.

 

Ähnlich auch Barbara Kronberger vom BMLFUW: Für sie ist der Klimatag seit vielen Jahren eine jährliche Pflichtveranstaltung. Aus Sicht der Verwaltung ist es eine fachliche Weiterbildung, die einen umfassenden Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse gibt. Das Zusammentreffen der gesamten Forschungscommunity, der Verwaltung und der Wirtschaft ist ausgesprochen  wichtig, um Erkenntnisse dort hin zu bringen, wo sie berücksichtigt und umgesetzt werden müssen. Wünschenswert ist, die Vernetzung und den Austausch zwischen Wissenschaft – Verwaltung – Wirtschaft noch weiter auszubauen.

 

Ein nicht zu vergessender und wesentlicher Punkt: der Klimatag wird seit Jahren als Green Meeting organisiert. Die Veranstaltung ist zertifiziert und entspricht den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens.

© CCCA/Creative Commons (BY-SA)

Das war der diesjährige Klimatag in Graz

 

Der Klimatag  von 6. bis 8. April 2016 wurde erstmals auf drei Tage erweitert. Im Mittelpunkt des spannenden und abwechslungsreichen Programms stand - wie seit den Anfängen - die Präsentation aktueller österreichischer Forschungsergebnisse und der Austausch zwischen ForscherInnen, Verwaltung und Gesellschaft.

 

Als neuer Programmpunkt wurde mit dem „Pre-Conferance Day“ zusätzlich Raum für Vernetzung und Diskussion geschaffen. Im Vordergrund standen dabei die disziplinenübergreifende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen, Ansätzen und Zugängen. Ein spezielles Programm wurde für NachwuchswissenschaftlerInnen angeboten. Zusätzlich boten ein Open Space Programm und fünf „working groups“ zur Wissenschaftskommunikation Zeit für regen fachlichen Austausch. Als Gastlektor gab Carel Mohn, der Projektleiter von klimafakten.de, Einblicke in seine Erfahrungen zur „Science to pubilic communication in climate (impact) research“.

 

Ausgezeichnet mit dem CCCA-Nachwuchspreis wurde Thomas Schinko (IIASA) für seinen Beitrag zum Thema "Developing a methodological framework for operationalizing Iterative Climate Risk Management based on insights from the case of Austria." Zum „Climate Day“-Icebraker luden die VeranstalterInnen und UnterstützerInnen gemeinsam mit der Technischen Universität Graz in das Dachgeschoß des TU Campus in Graz ein. Der Ausklang des ersten Abends bot einen wunderschönen Blick über die Grazer Dächer.

 

Am zweiten und dritten Tag wurden aktuelle Forschungsergebnisse in 20 wissenschaftlichen Sessions präsentiert. Der Klimatag zeichnet sich durch die große inhaltliche Vielfalt aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen aus, deren Gemeinsamkeit in der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel liegt. Neben natur- oder sozialwissenschaftlichen Grundlagen, werden auch angewandte Forschungsfragen oder gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen diskutiert. Insgesamt umfasste das Programm 57 Vorträge und 40 Posterpräsentationen.

 

Einen kleinen Einblick in die große inhaltliche Breite des 17. Klimatags zeigen folgende präsentierte Themen:

  • Vorstellung neuer regionaler Klimaszenarien,
  • Vorträge zu den Themengebieten Naturgefahrenmanagement und Risikomanagement,
  • Vorträge zu Landwirtschaft, Wasserhaushalt oder Wald im Klimawandel,
  • Umweltpolitische Themen wie Bioökonomie sowie Resilienz & Transformation sowie
  • veranstaltungsüberspannend das Thema Klimakommunikation und Handlungsstrategien
© Johannes Gellner

KlimARS 2016-Kunstwettbewerb

 

Am Donnerstagabend hatten die TeilnehmerInnen des Klimatags die Möglichkeit einen neuen Zugang zum Klimathema kennen zu lernen. 99 KünstlerInnen nahmen am „KlimARS 2016 –Kunstwettbewerb“ teil und setzten sich aus ihrer Perspektive mit den Auswirkungen der Klimaveränderung auseinander. Der Kunstwettbewerb wurde von der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und der Karl-Franzens-Universität Graz ausgeschrieben und fand in Kooperation mit dem CCCA statt. Ziel des Wettbewerbs war es, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst zu schlagen und damit diesem wichtigen Thema ein neues Forum zu bieten. Die von einer hochkarätig besetzten Jury ausgewählten 20 Werke wurden im Rahmen der Abendveranstaltung des Klimatags im MUMUTH der Kunstuniversität Graz präsentiert.

 

Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

 

Die Öffnung des Klimatages für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist in den letzten Jahren immer weiter vorangetrieben worden. In diesem Sinne wurde auf Einladung des Landes Steiermark ein Workshop zum Thema "Kommunikation für den Klimaschutz" organisiert. Eine zielgruppenorientierte Kommunikation von klimarelevanten Themen wird immer wichtiger, um das Thema in der Gesellschaft zu positionieren sowie Handlungsweisen und Maßnahmen zu vermitteln. Unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Peter Filzmaier setzten sich in der Kommunikation geforderte ExpertInnen intensiv mit der Formulierung von Botschaften und interessante und geeignete Kommunikationskanäle auseinander. Do’s und don’ts wurden ebenso diskutiert wie strategische Schlüsselfragen und Grundregeln der Kommunikation. Weiters wurden zwei Schulklassen eingeladen, sich mit ForscherInnen über ihre Fragen und Anliegen auszutauschen.

 

Erster Klimatag nach Pariser Abkommen

 

Der erste Klimatag nach der Einigung auf das Pariser Abkommen bei der COP 21 im Dezember 2015, befasste sich auch mit dessen Bedeutung für die heimische Wissenschaftscommunity. Um zu den in Paris vereinbarten Zielen beizutragen, sind die ForscherInnen verstärkt gefordert, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Eröffnet wurde die Veranstaltung daher auch mit einer Podiumsdiskussion die sich der rhetorischen Fragestellung "Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?" widmete. Dabei wurde verdeutlicht welche Dringlichkeit besteht. Es braucht  unseren vollen Einsatz  und unterstützende Forschungsergebnisse, um die Transformation hin zur post-fossilen, nachhaltigen Gesellschaft zu erreichen.

 

Tagungsband und Präsentationen online verfügbar

 

Die Abstracts zu Vorträgen und Postern sind in einem Tagungsband zusammengefasst sowie online auf der Website des CCCA als Download verfügbar.

Letzte Änderung: 04.05.2016