Europa bereitet sich auf den Klimawandel vor

(19. Dezember 2017) „Das Ausmaß der Zerstörung durch Waldbrände, Hochwasserkatastrophen und Sturmfluten, nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt, hat uns gezeigt, dass die Kosten, die durch Nicht-Handeln in Bezug auf den Klimawandel sowie für Anpassung und Vorsorge entstehen, extrem hoch sind. Die Risikominderung ist ebenso wichtig wie wirksame Maßnahmen vor, während und nach einer Katastrophe.“, so Hans Bruyninckx (Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur, EUA).

 

Im aktuellen Bericht „Anpassung an den Klimawandel und Katastrophenvorsorge in Europa – Verbesserung der Kohärenz der Wissensgrundlage, der politischen Strategien und der Implementierung“ werden nicht nur der aktuelle Wissensstand und Beispiele aus der Praxis dargestellt sondern auch neue, innovative Instrumente, die lokale, regionale und nationale Behörden unterstützen können, den Folgen von wetter- und klimabedingten Gefahren entgegenzuwirken.

 

Der Bericht macht deutlich, dass die Länder in Europa bereits geeignete Vorsorgemaßnahmen getroffen haben. Jedoch können sowohl die Resilienz weiter verbessert als auch Risiken vermindert werden, wenn Maßnahmen besser unter den Akteuren abgestimmt werden. Eine verbesserte Abstimmung der Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene und zwischen den einzelnen Disziplinen sowie innovative Methoden können dazu beitragen, besser mit Extremereignissen umzugehen. Dies sollte das wichtigste Ziel der Experten für Anpassung an den Klimawandel und Katastrophenvorsorge sein.

 

Kernergebnisse des Berichtes

 

Extreme Wetterbedingungen treten immer häufiger auf und sind sehr kostspielig

Die gesamtwirtschaftlichen Schäden durch Wetter- und Klimaextreme in den 33 EUA-Mitgliedstaaten, die im Zeitraum 1980-2016 gemeldet wurden, beliefen sich auf insgesamt mehr als 450 Mrd. EUR. Der größte Teil dieser Schäden wurde durch Hochwasserkatastrophen verursacht (rund 40 %), gefolgt von Stürmen (25 %), Dürren (rund 10 %) und Hitzewellen (rund 5 %). Klimaprojektionen machen deutlich, dass Häufigkeit und Intensität der meisten dieser Gefährdungen in den kommenden Jahrzehnten in Europa weiter zunehmen werden.

 

Innovation und Zusammenarbeit sind der Schlüssel zum Erfolg

Als ein zentraler Bereich werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der nationalen und lokalen Ebene, zwischen den verschiedenen Sektorpolitiken sowie zwischen den einzelnen Staaten identifiziert. Dabei sind beispielsweise Strategien zur Raumplanung und Risikoprävention als auch technische Maßnahmen wie die Erhöhung von Deichen, die vermehrte/effizientere Anwendung von Versicherungssystemen und die Sicherstellung von Ressourcen durch eine langfristige Finanzierung vorgesehen. Auch ein wesentliches Element sind sogenannte „naturbasierte“ Lösungen (ecosystem-based/nature-based solutions).

 

  • Um die Resilienz weiter zu erhöhen bzw. zu stärken, sollten Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und zur Katastrophenvorsorge noch besser integriert werden.
  • Mehr Länder könnten die Vulnerabilität gegenüber dem Klimawandel und die Risiken umfassend analysieren und bewerten bzw. ihre Einschätzungen auf den aktuellen Stand bringen.
  • Aktivitäten zu Monitoring, Berichterstattung und Evaluierung politischer Konzepte und Maßnahmen werden verstärkt durchgeführt, es gibt jedoch Spielraum nach oben, und beide Politikbereiche können von den Erkenntnissen aus Politikevaluierungen profitieren.
  • Die EU stellt zwar Mittel für Katastrophenvorsorge- und Anpassungsmaßnahmen bereit, jedoch ist der Zugang zu diesen Mitteln und deren Verwendung, beispielsweise für „naturbasierte“ Lösungen, noch zu optimieren.
  • Klimadienste (wie z. B. die EU Copernicus Climate Services), die klimarelevante Daten und Projektionen bereitstellen, könnten ihre Tätigkeit stärker mit der Katastrophenvorsorge abstimmen. Verbessertes Wissen über die wirtschaftlichen Kosten von Naturkatastrophen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
  • Auch nationale Online-Wissensplattformen und Plattformen zur Koordinierung verschiedener Interessengruppen können dazu beitragen, die Kommunikation und den Informationsaustausch zu verbessern.

Mit der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Themenbereichen beschäftigen sich auch laufende Projekte, wie beispielsweise das Horizon2020-Projekt PLACARD oder die Arbeitsgruppe 87 der EU-Strategie für den Alpenraum (Infos dazu siehe Infobox).

Letzte Änderung: 19.12.2017