Fortbildungsangebot: Lernwerkstatt Klimawandelanpassung

© Umweltbundesamt GmbH Die Teilnehmenden der "Lernwerkstatt Klimawandelanpassung" beim Modul 1 in St. Pölten.

Bereits im Jahr 2014 entwickelten das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus BMNT, die Klimaschutzkoordinatorinnen und -Koordinatoren der Bundesländer, die Umweltbundesamt GmbH und alpS die Idee, "Klimawandelanpassungsberaterinnen und -beratern" für Gemeinden und Regionen in Österreich in einer Schulung auszubilden. Im Mittelpunkt stand dabei eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart, nämlich, dem globalen Phänomen Klimawandel lokal entgegenzuwirken. Neben Klimaschutzaktivitäten ist es notwendig, mit Maßnahmen auf die schon heute spürbaren Auswirkungen des Klimawandels zu reagieren. Nur so können die Folgen des Klimawandels gemildert und mögliche Chancen frühzeitig erkannt und genutzt werden. Akteurinnen und Akteure der lokalen und regionalen Ebene stehen dabei jedoch vor großen Herausforderungen: Oft ist nicht klar, welche Schritte konkret zu setzen sind und wie eine Anpassung an veränderte Klimafolgen gelingen kann. Durch den Aufbau einer Beratungsschiene soll nun zukünftig dieser Prozess zur Anpassung an den Klimawandel in Gemeinden und Regionen maßgeblich unterstützt werden.

 

Im November 2017 war es soweit: Die ersten 19 Personen aus den Bundesländern Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg starteten mit der von der Umweltbundesamt GmbH durchgeführten "Lernwerkstatt Klimawandelanpassung". Sie wurden aufgrund ihrer langjährigen Vorerfahrung im Bereich der Gemeindeberatung zu Klimaschutzmaßnahmen von den Bundesländern für die Teilnahme nominiert. Der Kurs gliederte sich, angelehnt an mögliche reale Beratungssettings und deren Anforderungen, in drei Module:

 

  • Modul A: Kurz- und Erstberatung
  • Modul B: Mehrstündige Workshops
  • Modul C: Prozessbegleitung

 

Jedes Modul wurde in einem eigenen Schulungsblock abgewickelt. Modul A fand im November 2017 in St. Pölten statt, Modul B im Jänner 2018 in Innsbruck und Modul C im Februar 2018 in Graz. Wissenstiefe und Komplexität der Inhalte stiegen von Modul zu Modul. Fundiertes Fachwissen zum Thema Klimawandel und Anpassung, aber auch methodisch-didaktische Konzepte für die Umsetzung der Beratung vor Ort wurden transportiert. Zwischen den Schulungsblöcken führten die Kursteilnehmenden "Probeberatungen" in Gemeinden durch. So konnten die erlernten Inhalte gleich in der Praxis umgesetzt werden.

 

Die "Lernwerkstatt Klimawandelanpassung" orientierte sich am Leitbild für nachhaltige Entwicklung. Sie zeichnete sich aus durch das selbständige Erarbeiten von Inhalten, einer breiten Methodenvielfalt und reflektiertem Lernen. Das Vorwissen und die Vorerfahrungen der Teilnehmenden flossen in die Kursinhalte ein, inhaltliche Wünsche wurden im Vorfeld abgefragt und berücksichtigt. Neben klassischen Vorträgen, wurden praxisnahe Arbeitsaufträge vergeben. Dem Motto "Menschen sind lernfähig, aber unbelehrbar" folgend, verstand sich das Umweltbundesamt in dieser Lernwerkstatt vordergründig als Moderator und Lernbegleiter.

 

Parallel zur Lernwerkstatt entwickelte die alpS GmbH gemeinsam mit dem Umweltbundesamt 27 Factsheets zum Thema Klimawandelanpassung. Sowohl diese Unterlagen, als auch bewährte Hilfsmittel wie das Famous-Handbuch oder die CC-Act Materialien des Umweltbundesamts sowie zukünftig auch die Clima-maps stellen die Basiswissen für die Beraterinnen und Beratern dar und dienen als Nachschlagewerke.  

© Heide Spitzer, CCCA
von links nach rechts: Martin Granitzer, Alfred König, Friedrich Hofer, Norbert Ellinger, Peter Waltl, Ulrike Singer, Andrea Gössinger-Wieser, Martin Stolz, Maria Legner, Karina Zimmermann, Gerald Flöck, Carola Jud, Bettina Fischer, Hubert Weisz, Norbert Rainer, Martina Offenzeller, Benedikt Besci, Andreas Drack, Eva Winkler, Manfred Bürstmayr, Sabine Wendtner, Josef Strummer, Petra Gruber, Helmut Hojesky, Andrea Prutsch, Jürgen Schneider, Gunter Sperka, Christine Fohler-Norek, Markus Kottek

Den Abschluss der Lernwerkstatt bildete der am 23. April 2018 in Salzburg im Rahmen des Klimatags stattfindende Abschlussworkshop. Die Teilnehmenden präsentierten dabei dem BMNT sowie den Klimaschutzkoordinatorinnen und Klimaschutzkoordinatoren ihre Beratungsergebnisse und erhielten feierlich ihre Abschlussbestätigungen überreicht.

 

Der direkte Kontakt der Beraterinnen und Berater mit lokalen Entscheidungstragenden birgt ein großes Potential zur Erhöhung der Anpassungskapazität von Gemeinden. Zukünftig werden sie nicht nur zu klimaschutzrelevanten sondern auch zu klimawandelanpassungsrelevanten Themen beratend tätig sein. Die Absolventinnen und Absolventen der "Lernwerkstatt Klimawandelanpassung" als auch die KLAR!-Managerinnen und -Manager tragen somit zukünftig durch die frühzeitige und aktive Beschäftigung mit Klimawandelanpassungsthemen maßgeblich zum Erhalt der Lebensqualität und zur Stärkung des Wirtschaftsraums bei. Die "Lernwerkstatt Klimawandelanpassung" wurde vom BMNT in Kooperation mit allen Bundesländern finanziert.

 

Stimmen zur Lernwerkstatt und zur Beratung in Gemeinden:

 

Josef Strummer, NÖ: "Die Lernwerkstatt hat sich bestens bewährt, hat fundiertes Fachwissen, gepaart mit österreichweiten praktischen Erfahrungen der Teilnehmerinnen, optimal vermittelt!"

 

Norbert Rainer, Ulrike Singer, Norbert Ellinger, OÖ: "Gemeinden zeigen oftmals schon viel Engagement zum Themenbereich. Ihnen ist aber zumeist nicht bewusst, dass es sich dabei um Klimawandelanpassung handelt. Hier das Bewusstsein zu schärfen und den Aktivitäten einen verbindenden und zukunftsfähigen Rahmen zu geben, ist eine wertvolle Erkenntnis aus der Lernwerkstatt."

 

Monika Forster, V: "In den Gemeinden passiert schon sehr viel Klimawandelanpassung - oft noch nicht unter dieser Bezeichnung. Jetzt gilt es zu hinterfragen, inwieweit die Klimamodelle mit ihren Temperatur- und Niederschlagsveränderungen schon dynamisch in den einzelnen Fachdisziplinen berücksichtigt werden: Z. B. wird der Heizwärme- und Kühlbedarf eines Gebäudes auch mit den Klimadaten von 2050 simuliert? Inwieweit beziehen Fachplaner die Klimamodelle bis 2050 bzw. 2100 in ihre Planungsergebnisse mit ein, inwieweit legen Gemeinden Wert darauf? Konkrete greif- und umsetzbare Maßnahmen helfen dabei, das Bewusstsein für Klimawandelanpassung querschnittsorientiert in die Handlungsebenen der Gemeinde zu integrieren."

Letzte Änderung: 02.05.2018