Verantwortliche für nationale Anpassungsstrategien in den Alpenländern vernetzen sich

(8. Juli 2014) Die Folgen des Klimawandels stellen alle Alpenländer in naher Zukunft vor große und vergleichbare Herausforderungen. Neben den bestehenden Anstrengungen zum Klimaschutz haben in den letzten Jahren alle Länder des Alpenraums mit der Entwicklung von nationalen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel reagiert. Der Stand der Anpassungspolitiken ist dabei durchaus unterschiedlich: in Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz liegen nationale Anpassungsstrategien und Aktionspläne mit politischer Beschlussfassung bereits vor. In Italien und Liechtenstein laufen derzeit diesbezügliche Entwicklungsprozesse und sollen bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Slowenien verfügt über eine Strategie für den Land- und Forstwirtschaftssektor, allerdings wurde die Entwicklung einer integrativen Anpassungsstrategie zuletzt durch mehrmalige Regierungswechsel erschwert.

 

Trotz der Unterschiede beim Stand der Strategieentwicklung und -umsetzung, bei der jeweiligen Herangehensweise sowie bei den politisch-administrativen Systemen sind die nationalen Politikverantwortlichen dennoch mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Das Politikfeld ist neu und komplex, weil es eine Vielzahl von Sektoren, Verwaltungsebenen und AkteurInnen betrifft. Die horizontale Integration zwischen den Fachbereichen, die vertikale Koordination der Umsetzung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden oder der Ausgleich unterschiedlicher Interessen und potenzieller Konflikte sind einige der gemeinsamen Herausforderungen. Diese treten in allen Phasen, von der Strategieentwicklung über die Umsetzung bis zum Monitoring und zur Strategieüberarbeitung auf.

 

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des EU Alpenraumprojekts C3-Alps ein transnationales Akteursnetzwerk ins Leben gerufen, das erstmals die Verantwortlichen für die nationalen Anpassungsstrategien aller Alpenländer in Politik und Verwaltung zusammenbringt und eine Plattform zum Erfahrungs- und Wissensaustausch bietet. Die Initiative geht vom C3-Alps Lead Partner Umweltbundesamt und dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich (BMLFUW) sowie vom Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) aus. Regelmäßige informelle Treffen sollen dazu dienen, über Grenzen hinweg Informationen auszutauschen und wechselseitig von den Erfahrungen mit Barrieren und Erfolgsfaktoren zu lernen. Ferner sollen Synergiepotenziale genutzt und die laufende Zusammenarbeit zu spezifischen Fragestellungen erleichtert werden. Letztlich geht es auch um transnational abgestimmte Lösungsansätze für das grenzüberschreitende Problem des Klimawandels.

 

Bisher haben drei erfolgreiche internationale Treffen der maßgeblichen Politikgestalter und -umsetzer aus den zuständigen Ministerien und nationalen Verwaltungsbehörden aller sieben Alpenländer (Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Slowenien) stattgefunden: im Mai 2012 auf Einladung des BAFU in Ittigen bei Bern, im Mai 2013 am Umweltbundesamt in Wien, und zuletzt im April 2014 wiederum in der Schweiz. Österreich wird durch Dr. Helmut Hojesky, Leiter der Abt. Klimaschutz und Luftreinhaltung, repräsentiert. Die Alpenkonvention war jeweils durch das Permanente Sekretariat bzw. die amtierende Präsidentschaft vertreten.

 

Die bisherigen Austauschtreffen ermöglichten offene, reichhaltige und nutzbringende Diskussionen. Diskutiert wurden Themen wie politische und administrative Vorgehensweisen bei der Strategieentwicklung, Barrieren und Erfolgsfaktoren bei der regionalen und lokalen Umsetzung von Anpassung, Modelle zur Koordination, Mainstreaming von Anpassung in Sektorpolitiken sowie Finanzierungsfragen. Die vertikale Umsetzung von Klimawandelanpassung über Verwaltungsebenen hinweg wurde im Beisein von VertreterInnen der Europäischen Kommission, der Europäischen Umweltagentur sowie dreier Bundesländer erörtert. Im Juni 2013 wurde ein zusätzlicher ExpertenInnenworkshop zum Thema Monitoring und Evaluierung von Anpassungsstrategien abgehalten, bei dem auch ExpertInnen aus Großbritannien und Finnland ihre nationalen Erfahrungen einbrachten.

 

Dass diese neue Form der transnationalen Zusammenarbeit wertvolle Impulse für gemeinsame Lösungsansätze erbrachte, wurde beim kürzlich stattgefundenen Treffen am 3. April dieses Jahres bestätigt: die VetreterInnen aller Länder beschlossen, das informelle Austauschformat zu Politik und Umsetzung von Klimaanpassung im Alpenraum über das Projektende von C3-Alps Ende 2014 hinaus fortführen zu wollen. Es ist vorgesehen, bei der Abschlusskonferenz des Projekts am 14. Oktober 2014 in Wien die Verstetigung der Initiative der Öffentlichkeit vorzustellen.

Abbildung: Erstes Internationales Treffen der EntscheidungsträgerInnen für die nationalen Anpassungsstrategien in den Alpenländern, 9.5.2012, BAFU, Ittigen, Schweiz (copyright: BAFU/T. Probst)
Letzte Änderung: 09.07.2014