Wie hat sich das Klima bereits geändert?

Viele Studien zeigen deutlich, dass die weltweite Änderung des Klimasystems nicht bevorsteht sondern bereits stattfindet. Im Zeitraum von 1900 bis 2015 stieg die globale Durchschnittstemperatur um 0,85 °C. Von den insgesamt 15 „wärmsten“ Jahren traten 14 seit 2001 auf. Im Alpenraum stieg die Durchschnittstemperatur seit 1760 um rund 2 °C (siehe Abbildung unten). Allein in den letzten 25 Jahren gab es einen starken und signifikanten Anstieg der Mitteltemperatur in ganz Österreich um + 1 °C. 2015 verzeichnete Österreich das zweitwärmste Jahr der 247-jährigen Messgeschichte (ZAMG).  

Anomalien der Jahresmittel der Lufttemperatur zum Mittel des 20. Jahrhunderts für Österreich (1768 bis 2011) und für das globale Mittel (1850 bis 2011). Einzeljahre und 20-jährig geglättet (Gauß’scher Tiefpass). Grafik: Böhm (2012), erstellt aus HISTALP- und CRU-Daten (http://www.cru.uea.ac.uk/data)
Quelle: Böhm(2012); zitiert in: Auer et al. (2014). In: Österreichischer Sachstandsbericht Klimawandel (AAR14), APCC.

Welche Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute sichtbar?

Durch die globale Erwärmung sind vielerorts bereits eine Reihe von Auswirkungen beobachtbar, wie z.B. Rückzug der Gletscher, Anstieg der Schneefallgrenze und steigende Anzahl an Hitzetagen oder auch ein veränderter Ablauf der Pflanzenentwicklung (Phänologie).

 

Seit 1850 schmolzen rund 2/3 der Gletscher in den europäischen Alpen und auch alle vermessenen Gletscher Österreichs haben seit 1980 deutlich an Fläche und Volumen verloren (APCC 2014). 2015 sind von den 92 österreichischen Gletschern 88  (= 96 %) zurück geschmolzen. Im Vergleich zum Jahr davor ist die Zahl zurückschmelzender Gletscher um 10 % angestiegen. 2014/15 war ein mittlerer Längenverlust von -22,6 Metern zu verzeichnen. Das ist doppelt so viel wie im Jahr davor (Alpenverein, Gletscherbericht 2015/2015).

 

In Lagen unter 1.000 m Seehöhe hat seit den 90er-Jahren der Anteil von Regen am winterlichen Gesamtniederschlag deutlich zugenommen. Zusätzlich wurde südlich des Alpenhauptkammes die größte Abnahme sowohl an Tagen mit Schneedecke als auch an der Schneemächtigkeit beobachtet (ZAMG, www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimafolgen/schnee Zugriff am 05.12.2016). Ebenfalls haben Frosttage im österreichweiten Mittel um - 13,8 auf 135 Tage abgenommen (ÖKS15). Die Frost-Tau-Wechseltage haben im Hochwinter in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und der Steiermark um bis zu + 10 Tage zugenommen (v.a. in Lagen über 1.500 m). In tiefen Lagen nahmen sie hingegen in den Monaten Oktober / November, März / April um etwa - 12 Tage ab (ÖKS15).  

 

Der kontinuierliche Temperaturanstieg zeigt sich auch in einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen (Temperatur ≥ 30 °C) in Österreich. Die Hitzetage haben im österreichweiten Mittel um + 2,8 auf 9 Tage stark zugenommen (ÖKS15). Die Dauer der Vegetationsperiode hat um + 13,5 auf 212 Tage im österreichischen Mittel zugenommen. Die stärkste Zunahme war in den Niederungen Nord- und Ostösterreichs sowie in höhergelegenen Berg- und Tallagen in Richtung Oberitalien zu verzeichnen (ÖKS15).

 

Pflanzen reagieren unmittelbar auf den Klimawandel. In den letzten 50 Jahren konnte in Österreich ein früheres Einsetzen der Blüte bei Frühlingsblühern beobachtet werden (um mehr als eine Woche). Dokumentiert ist auch eine zunehmende Ausbreitung von allergenen Pflanzen wie z.B. der Beifuß-Ambrosie (siehe auch ZAMG, www.phenowatch.at/).  

Zum Thema

(Kopie 1)

ÖKS15 - Klimaszenarien für Österreich

APCC 2014 - Sachstandsbericht Klimawandel

Informationsportal Klimawandel der ZAMG

Langjährige Klimadaten von Österreich auf der Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)

Studien über die Auswirkungen des Klimawandels vom Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur Wien

Alpenverein (2016): Gletscherbericht 2015/2015

BMLFUW (Hrsg.) (2011): Schöner, W.; Böhm, R.; Haslinger, K.; Blöschl, G.; Merz, R.; Blaschke, A.P.; Viglione, A.; Parajka, J.; Kroiß, H.; Salinas, L.; Drabek, G.; Laaha, G. & Kreuzinger, N.: Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Österreichs Wasserwirtschaft. Im Auftrag des BMLFUW und der Länder. ZAMG, TU-Wien. Wien.

IPCC - Intergovernmental Panel on Climate Change (2013): Climate Change 2013. The Physical Science Basis. 

Kernaussagen des IPCC Berichts 2013 (Climate Change 2013. The Physical Science Basis)

Hauptaussagen aus der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Climate Change 2013. The Physical Science Basis)

IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change Reports (englisch)

 

Newsletter Artikel

Newsletter 22 - Schwerpunkt: Neue Daten zum Klimawandel für Österreich

Newsletter 17 – Schwerpunkt: 2015 weltweit ein Jahr der Temperaturrekorde (März 2016)

Newsletter 14 – Alpenglühen -überdurchschnittliche Erwärmung in großen Höhen (2015)

Newsletter 9 – Schwerpunkt: Extreme Wetterereignisse 2013 – Vorboten des Klimawandels? (April 2014)

Newsletter 8 - Schwerpunkt: Der fünfte Sachstandsbericht des IPCC (Dezember 2013)

Newsletter 7 – Schwerpunkt: Junihochwasser 2013 (Juli 2013)

Newsletter 4 – Schwerpunkt: Extreme Trockenheit und Waldbrandgefahr (Mai 2012)

Newsletter 2 - Neuer Datensatz homogenisierter Tageswerte (Projekt HOM-START) (2011)

 

Projekte zu unterschiedlichen Themenbereichen:

Newsletter 18 - Wintertourismus: (kein) Schnee von gestern (Projekt SNOWPAT) (2016)

Newsletter 1 - Wintertourismus: Folgen des Klimawandels auf künftige Schneebedingungen (Projekt CC-Snow) (2011)

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Newsletter 6 - Landwirtschaft: Einfluss des Klimawandels auf die Bodentemperaturen und diesbezügliche Risiken (Projekt CLIMSOIL) (2012)

Newsletter 4 - Landwirtschaft: Landwirtschaftliche Kulturlandschaft und Klimawandel (Projekt CC Land Prognosis) (2012)

Newsletter 17 - Wasserwirtschaft: Wenn im Tiefland Flüsse (fast) trocken fallen (2016)

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Newsletter 7 - Wasserwirtschaft: Entwicklung von Hochwasser-Risiko-Zeitreihen für das 21. Jahrhundert (Projekt FloodTimeS) (2013)

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Newsletter 5 - STOPHOT - Hitze und ältere Menschen (2012)

Newsletter 12 - Naturgefahren:- Muren im Klimawandel (Projekt DEUCALION) (2014)

Newsletter 13 - Biodiversität: Klimawandel und Gebirgspflanzen (Projekt GLORIA) (2015)

Newsletter 10 - Biodiversität/Gesundheit: Rasche Ausbreitung der hochallergenen Beifußambrosie (2014)

Newsletter 4 - Biodiversität: Langjährige Naturbeobachtungen dokumentieren den Klimawandel und verbessern Klimamodelle (Projekt DATAPHEN) (2012)

Newsletter 5 - Biodiversität und Klimawandel (2012)

Newsletter 8 - Biodiversität/Gesundheit: Ausbreitung und Management gebietsfremder Pflanzenarten mit hohem Allergiepotential (Projekt ClimAllergy) (2013)

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Newsletter 6 - Forstwirtschaft: Auswirkungen des Klimawandels auf Österreichs Wälder (2012)

Newsletter 6 - Energie: Welche Risiken ergeben sich durch Klimawandel und Naturgefahren für den Energiesektor? (2012)

Letzte Änderung: 09.01.2017