Wie hat sich das Klima bereits geändert?

Temperatur

Viele Studien zeigen deutlich, dass die weltweite Änderung des Klimasystems nicht bevorsteht, sondern bereits stattfindet. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die globale Mitteltemperatur um knapp 0,9 °C erhöht. In Österreich betrug die Temperaturzunahme sogar 1,9 °C. Die 2000-er Jahre waren mit einer Abweichung von + 0,49 °C im Vergleich zum Mittelwert des Zeitraumes 1961-1990 das bisher wärmste Jahrzehnt. Die bodennahe Atmosphäre erwärmte sich alleine zwischen 2001 und 2016 um 0,19 °C. An der Spitze der wärmsten Jahre der 250-jährigen Messgeschichte liegen mit deutlichen Abstand 2014 und 2015. Österreich gehört damit zu den Regionen, in denen die Temperaturzunahme stärker ausgefallen ist, als im weltweiten Mittel. Hauptursache für diese doppelt so starke Zunahme ist die schnellere Erwärmung der Luft über Landflächen als über thermisch trägeren Ozeanen (ZAMG).   

© Quelle: ZAMG, Entwicklung der mittleren Jahrestemperatur
Entwicklung der mittleren Jahrestemperatur weltweit 1850-2016 (violett) und in Österreich 1767-2016 (rot). Dargestellt sind jährliche Abweichungen vom Mittel der Jahre 1961-1990 (dünne Linien) und deren geglättete Trends (dicke Linien, 21-jähriger Gauß´scher Tiefpassfilter) (Morice u.a. 2012, Auer u.a. 2007). Quelle: https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimavergangenheit/neoklima/lufttemperatur
Quelle: Böhm(2012); zitiert in: Auer et al. (2014). In: Österreichischer Sachstandsbericht Klimawandel (AAR14), APCC.

Welche Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute sichtbar?

Durch die globale Erwärmung sind vielerorts bereits eine Reihe von Auswirkungen beobachtbar, wie z. B. Rückzug der Gletscher, Anstieg der Schneefallgrenze und steigende Anzahl an Hitzetagen oder auch ein veränderter Ablauf der Pflanzenentwicklung (Phänologie).

 

Gletscher

Seit 1850 schmolzen rund 2/3 der Gletscher in den europäischen Alpen und auch alle vermessenen Gletscher Österreichs haben seit 1980 deutlich an Fläche und Volumen verloren (APCC 2014). Das Gletscherhaushaltsjahr 2017/18 ist erneut als sehr gletscherungünstig zu charakterisieren. Bei 93 untersuchten heimischen Gletschern wurden mittels Messungen vor Ort und Fotovergleichen Änderungstendenzen festgestellt. 89 Gletscher zogen sich zurück, lediglich vier blieben stationär. Der mittlere Rückzug betrug 17,2 m und lag damit deutlich unter dem Extremwert des Vorjahres von 25,2 m. Grund dafür sind die im niederschlagsreichen Winter aufgebauten Schneereserven, die große Teile der Gletscher bis weit in den extrem warmen Sommer hinein vor der Abschmelzung schützten. So scheint der Gletscherschwund gegenüber dem Vorjahr gedämpft. Der größte Längenverlust wurde mit 128,0 m bei der Zunge des Viltragenkees in der Venedigergruppe (Osttirol) dokumentiert. Diesem Negativ-Spitzenreiter folgt mit -86,0 m der Alpeinerferner (Stubaier Alpen), das Schlatenkees (Venedigergruppe) mit -67,0 m und das Untersulzbachkees (Venedigergruppe ) mit -53,0 m.

 

Download Gletscherbericht 2017/2018 

Download Gletscherbericht 2016/2017

 

Schnee

Zum Leidwesen des Wintertourismus ist in Österreich in Lagen unter 1.000 m ein Ansteigen des flüssigen Anteils am winterlichen Gesamtniederschlag deutlich messbar. Die größte Abnahme sowohl an Tagen mit Schneedecke als auch an der Schneemächtigkeit hat südlich des Alpenhauptkammes stattgefunden (ZAMG). Ebenfalls haben Frosttage im österreichweiten Mittel um - 13,8 auf 135 Tage abgenommen. Die Frost-Tau-Wechseltage haben im Hochwinter in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und der Steiermark um bis zu + 10 Tage zugenommen (v. a. in Lagen über 1.500 m). In tiefen Lagen nahmen sie hingegen in den Monaten Oktober / November, März / April um etwa - 12 Tage ab (ÖKS15).  

 

Hitzetage

Der kontinuierliche Temperaturanstieg zeigt sich auch in einer deutlichen Zunahme an Hitzetagen (Temperatur > 30 °C) in Österreich. Die Hitzetage haben im österreichweiten Mittel um + 2,8 auf 9 Tage stark zugenommen (ÖKS15).

 

Vegetationsperiode

Die Dauer der Vegetationsperiode hat um + 13,5 auf 212 Tage im österreichischen Mittel zugenommen. Die stärkste Zunahme war in den Niederungen Nord- und Ostösterreichs sowie in höhergelegenen Berg- und Tallagen an der Grenze zu Oberitalien zu verzeichnen (ÖKS15). Pflanzen reagieren unmittelbar auf den Klimawandel. In den letzten 50 Jahren konnte in Österreich ein früheres Einsetzen der Blüte bei Frühlingsblühern beobachtet werden (um mehr als eine Woche). Dokumentiert ist auch eine zunehmende Ausbreitung von allergenen Pflanzen wie z. B. der Beifuß-Ambrosie.  

Letzte Änderung: 23.04.2019