Zukunftsdialog: Klimawissenschaft trifft junge Politik

Die Klimakrise ist in aller Munde und trotzdem läuft der Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft nicht immer optimal. Das Forschungsprojekt „Tales of Tomorrow“ setzt hier an und verbindet Entscheidungstragende aus unterschiedlichen politischen Jugendorganisationen untereinander und mit der Klimawissenschaft. Wie wichtig das Thema Klimakommunikation ist, wurde auch auf der K3-Konferenz Ende September in Karlsruhe deutlich, bei der Tales-Forscherinnen ihre Arbeit präsentierten.

Seit dem Auftreten der Fridays For Future Bewegung wird das Thema Klimawandel mehr denn je mit öffentlichem Nachdruck diskutiert und dies nun zunehmend auch unter den kritischen Augen von jungen Menschen. Wie aber kommen Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit eigentlich sinnvoll miteinander in den Dialog, um dieses wichtige Thema zu behandeln? Dies ist eine zentrale Frage, zu der im Forschungsprojekt „Tales of Tomorrow“ gearbeitet wird.

Tales of Tomorrow startet einen gegenseitigen Lernprozess zwischen den Klimawissenschaften und jungen Change Makern aus allen politischen Jugendorganisationen Österreichs. Die Beteiligten wollen dabei gemeinsam die Weichen in eine nachhaltige Klimazukunft stellen. Als Teil dieses Prozesses ist eine Plattform im Entstehen, die überparteilichen Wissensaustausch ermöglicht.  Die Vernetzung von Klimainteressierten wird gefördert und aktuelle Klimathemen sowie erfolgreiche Klimakommunikation diskutiert. Ziel des Projekts ist es, eine gemeinsame, parteiübergreifende Zukunftsvision für ein nachhaltiges, klimafittes Österreich zu entwickeln. Ganz konkrete Wege oder Wegstücke dieser Vision werden dann in professionellen Geschichten anschaulich beschrieben – den „Tales of Tomorrow“.

Zielgruppe sind politisch aktive junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren, die Verantwortung in ihren Jugendorganisationen übernehmen, dort bereits länger aktiv sind und sich für das Thema Klimawandel interessieren. Die Bandbreite der involvierten Jugendorganisationen reicht dabei über die klassischen politischen Parteien hinaus und umfasst auch Organisationen wie die Landjugend, die Gewerkschaftsjugend, die Junge Wirtschaft und Junge Industrie.

Einblicke in die laufende Tales-Forschung

Am Beginn des Forschungsprojekts standen Interviews und eine Befragung der jungen Entscheidungstragenden. Interessant war hier zu erfahren, welche verschiedenen Motivationen diese Change Maker antreiben, welche Barrieren dem Klimaengagement im Wege stehen und welche Informationsquellen sie benutzen.

Im Oktober 2019 startete die nächste Phase – drei Klimaworkshops. Bislang wurden die Workshops in Innsbruck, am 08.10., und in Wien, am 14.10., durchgeführt. Der letzte Workshop findet in Graz am 29.11. statt und die Anmeldung ist noch geöffnet.

 

Im Zentrum der Workshops stehen die Fragen, wie wissenschaftliches Wissen die jungen Entscheidungstragenden am besten unterstützen kann und welche praktischen Erfahrungen sie in ihrer politischen Arbeit mit dem Thema Klimawandel gesammelt haben. Einen ersten Eindruck dieser noch laufenden Forschung vermitteln die stichprobenartigen Zitate zu drei der Schlüsselfragen dieser Workshops. Sie sind am Rande dieses Textes aufgeführt und werden in den kommenden Monaten noch intensiv ausgewertet.

 

Was bereits jetzt schon feststeht, ist: Das Engagement und die Motivation der jungen Change Maker in den Workshops ist beeindruckend. Erkennbar war zudem ein überaus großer gegenseitiger Respekt, ein deutliches Bewusstsein für die Dringlichkeit, etwas gegen den Klimawandel zu tun, und eine große Bereitschaft den gemeinsamen, parteiübergreifenden Zukunftsdialog fortzusetzen.

Im Klimadialog dürfen wir nicht unter uns bleiben

Um wertvolle Inputs für die Gestaltung dieses Zukunftsdialogs zu bekommen, nahmen Tales-Forscherinnen am zweijährig stattfindenden K3-Kongress Ende September in Karlsruhe teil. Rund 500 bunt gemischte Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Praxis und Zivilgesellschaft beschäftigten sich mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Klimakommunikation in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“.

Zu Beginn des Kongresses forderte Georg Marshall, Gründer von Climate Outreach, eindringlich auf, den Klimadialog mit Respekt und Verständnis zwischen allen Gesellschaftsgruppen zu führen. Sybille Chiari (gWN, BOKU) präsentierte unter diesem Motto die ersten Ergebnisse des Tales of Tomorrow Projekts. In einem gemeinsamen Workshop mit Sebastian Helgenberger vom IASS in Potsdam und Ingmar Höbarth vom Klima- und Energiefonds wurden unterschiedliche Herangehensweisen von Klimakommunikation gegenüber der Politik vorgestellt und mit den Teilnehmenden reflektiert.

Wie aber sieht nun erfolgreiche Klimakommunikation aus? Alle Keynote-Speaker waren sich einig, dass positive Visionen zu entwickeln sind. George Marshall betonte, wie wichtig es ist, Werte und Identitäten zu berücksichtigen und positive Formulierungen zu wählen. Auf den Punkt brachte es der Komiker, Arzt und Gründer von Doctors for Future Eckart von Hirschhausen: Wir sollten Klimawandelthemen persönlich, weitererzählbar, sozial ansteckend, visionär und gut gelaunt kommunizieren. Denn, wie der dritte Keynote-Speaker, der Soziologe Harald Welzer, bemerkte: Zukunft ist eine Gestaltungsherausforderung, die Spaß macht! (DB, November 2019)

Weiterführende Informationen

Das Projekt „TALES OF TOMORROW - Strengthening the climate science-policy-nexus: Knowledge brokering on climate science for young policy makers“ wird vom Österreichischen Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des „10thCall Austrian Climate Research Program – ACRP“ umgesetzt.

Projektleitung: Umweltbundsamt GmbH, Mag.a Sonja Völler

Projektpartner: Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit (GWN-BOKU) sowie Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik an der Universität für Bodenkultur Wien (InFER-BOKU)

Projektlaufzeit: Mai 2018 – Oktober 2020

Projektwebsite Tales of Tomorrow

Instagram-Feed Tales of Tomorrow

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