Machlanddamm: Internationales Vorzeigeprojekt für umweltverträglichen Hochwasserschutz

Im August 2012 wurde nach einer Rekordbauzeit von knapp vier Jahren der im Gebiet Machland Nord errichtete Hochwasserschutzdamm eröffnet. Er soll als nachhaltige Barriere rund 22.400 Menschen in sieben Gemeinden sowie 1.000 Häuser und denkmalgeschützte Kulturgüter gegen Hochwasser absichern. Zudem trägt er dazu bei, den Wirtschaftsraum zu stärken und das natürliche Gleichgewicht der Au wiederherzustellen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde das oberösterreichische Machland immer wieder von dramatischen Hochwässern schwer geschädigt – zuletzt im Jahr 2002 mit Schäden von rund 500 Mio. Euro. Nun sind die 22.400 BewohnerInnen dieser Region nach menschlichem Ermessen sicher. Auch das verheerende Hochwasser im Juni 2013 bestätigt den Erfolg dieses einzigartigen Schutz­projekts: Der Machlanddamm hielt den gewaltigen Wassermassen stand.

Machlanddamm Hochwasser Juni 2013
Abbildung: Machlanddamm, Grein, Juni 2013
Machlanddamm Mauthausen
Abbildung: Machlanddamm, Mauthausen

Mit knapp 37 km Länge und Baukosten von rund 182 Millionen Euro ist der "Hochwasserschutz Machland Nord" (Machlanddamm) das größte Hochwasserschutzprojekt Europas. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Sicherheit und die damit verbundene neue Lebensperspektive für eine ganze Region. Zugleich wurde jedoch besonderes Augenmerk auf die naturnahe Gestaltung der einzelnen Abschnitte gelegt. Indem natürliche Überschwemmungsflächen und Retentionsräume geschaffen wurden, soll dem Hochwasser wieder jene biotopprägende Wirkung zukommen, die es seit jeher hat.

Mit einer großzügig dimensionierten Flutmulde, die sich entlang der Donau erstreckt, wurden zusätzliche Retentionsräume als Zwischenspeicher für große Wassermassen geschaffen. Nach dem Vorbild alter Nebenarme wurde ein 8,6 km langer neuer Nebenarm der Donau angelegt und damit Österreichs größtes Renaturierungsprojekt initiiert. Das Aushubmaterial wiederum diente als Baumaterial für die Errichtung der Schutzdämme.

Als Teil der neuen Flutmulde entstand beim Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen Europas größter Fischaufstieg. Das stufenweise angelegte, naturnahe Bauwerk, ermöglicht es Fischen und anderen Kleintieren das Kraftwerk zu umschwimmen – eine weitere Maßnahme um den natürlichen, ökologischen Kreislauf wiederherzustellen. Die Flutmulde dient somit gleichzeitig dem Hochwasserschutz sowie der Erhaltung des Au-Charakters.

Machlanddamm Flutmulde
Abbildung: Machlanddamm, Flutmulde

Absiedelung als Teil des integrierten Hochwasserschutzes

Jene 254 Liegenschaften, die trotz aller gesetzten Maßnahmen nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt werden können, konnten zum Großteil bereits abgesiedelt werden. Die Finanzierung der Absiedelungsaktion erfolgt auf Basis des Wasserbautenförderungsgesetzes, aus Bundes- und Landesmitteln wurden dafür 92,4 Mio Euro genehmigt. Die Gemeinden haben das im Absiedelungsgebiet liegende Bauland in Grünland rückzuwidmen, inklusive Bauverbot für die Landwirtschaft.

Landschaftscharakter erhalten

Das Machland mit der Region Strudengau entwickelt sich immer mehr zum Anziehungspunkt des sanften Tourismus, insbesondere des Radtourismus. Um den Charakter der attraktiven Landschaft und Orte zu erhalten, soll der neue Damm nicht nur Sicherheit bringen, sondern sich auch sanft in das Gesamtbild einfügen. Als Lösung wurde eine Kombination aus natürlichen Retentionsräumen, festen Dammbauwerken und mobilen Dämmen entwickelt, wodurch eine sanfte Integration der Hochwasserschutzelemente in die Landschaft ermöglicht wird.

Mit diesem intelligenten Gesamtkonzept trägt der Machlanddamm maßgeblich zur Sicherheit bei und erhöht gleichzeitig Wirtschaftskraft und Lebensqualität in dieser Region. (Juli, 2013)

Weitere Informationen

Website Machlanddamm