SNOWPAT: (kein) Schnee von gestern

Ein Winter ohne „g’führigen Schnee” ist in der Schifahrernation Österreich heute noch schwer vorstellbar. Nicht nur der Wintertourismus, sondern auch die Wasserversorgung oder Stromerzeugung hängen stark von der weißen Zukunft ab. Wissenschaftlich fundierte Einschätzungen der künftigen Schneeverhältnisse sind deswegen dringend benötigte Planungsgrundlage.

„die bestmögliche Zeitreihe”

Snow in Austria during the instrumental period – spatiotemporal patterns and their causes – relevance for future snow szenarios: Unter diesem Forschungstitel machten sich, gefördert vom Klima- und Energiefonds, die Universität Graz, die ZAMG, die Universität Innsbruck und das Schweizerische Institut für Schnee und Lawinen­forschung,auf die historische Spurensuche, um aus langjährigen Messdaten die Veränderungen des Schnees in der Vergangenheit und deren Abhängigkeit von Witterung, Klima, Gelände und Region zu erkennen. Dazu ist jedoch eine aufwendige Bereinigung der Zeitreihen, von Messfehlern und anderen ungewollten Veränderungen der Messungen notwendig. Erst danach kann untersucht werden, wie sich die Schneeverhältnisse durch den Klimawandel ändern.

AMUNDSEN und James Bond

Um Aussagen über künftige Winter treffen zu können, müssen Zusammenhänge zwischen der Schneedecke und maßgeblichen meteorologischen Einfluss­faktoren ermittelt werden. Da die Stationsmessungen das Gebiet von Österreich nur unzureichend abdecken, verwendeten die Wissenschaftler das Computermodell AMUNDSEN um die räumliche Information zu verdichten. Der Rechenaufwand ist gewaltig: aus Rohdaten ab 1950 wurden tägliche Schneedeckenkarten modelliert – und das flächendeckend bei einer räumlichen Auflösung von 1×1 km. „Für einen Schneemodellierer ebenso spannend, wie für andere ein James Bond Film”, so Projektpartner Ullrich Strasser (Universität Innsbruck).

Komplexes Zusammenspiel

Fest steht: das Ausmaß des „weißen Segens” unterliegt starken Schwankungen. Die Mächtigkeit der Schneedecke variiert nicht nur von Saison zu Saison beträchtlich, sondern sogar zwischen eng benachbarten Hängen. Dennoch sind für die letzten 50 Jahre klare langfristige Trends ableitbar: im Süden Österreichs nahm die durchschnittliche Schneebedeckung besonders deutlich ab, im Westen deutlich. Für den Nordosten belegen die Zeitreihen hingegen kaum eine langfristige Änderung (Abbildung 1). Diese Aussage kann, dank SNOWPAT, noch verfeinert werden: für tiefliegende Orte bestimmt die Temperatur die Schneedecke, über 1000 m Seehöhe jedoch vermehrt der Niederschlag. Bleibt das überraschende Ergebnis der, trotz Klimawandel, wenig veränderten Schneemengen im Nordosten Österreichs zu klären. Hier liefern Veränderungen in der Wirksamkeit der schneebringenden Wetterlagen eine gute Erklärung.

Bedeutung für die Zukunft

Die SNOWPAT Ergebnisse zeigen, dass in Österreich derzeit die Schneedecke in 500–1000 m Seehöhe besonders stark durch dem Klimawandel abnimmt. Diese empfindliche Zone wird sich durch die künftige Erwärmung weiter nach oben verschieben. Gleichzeitig legen die Ergebnisse aus SNOWPAT nahe, dass Häufigkeit und Ausprägung schneebringender Wetterlagen die Schneefallmenge stark beeinflussen und damit auch in Zukunft den reinen Temperatureinfluss auf die Schneedecke modifizieren können. Ein Beispiel ist die zuletzt vieldiskutierte Einwirkung einer veränderten arktischen Meereseisausdehnung auf die atmosphärische Zirkulation in Mitteleuropa.

Die jährliche Schneedeckendauer (Tage mit mindestens 20 cm Schneedecke) zeigt über die letzten 50 Jahre regional unterschiedliche Trends.
Die jährliche Schneedeckendauer (Tage mit mindestens 20 cm Schneedecke) zeigt über die letzten 50 Jahre regional unterschiedliche Trends.

Weiterführende Informationen:

Projektkoordination:

  • Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)
  • Institut für Geographie und Raumforschung der Karl-Franzens-Universität Graz

Projektpartner:

  • Institut für Geographie der Universität Innsbruck
  • Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Projektlaufzeit: September 2012 – März 2015

(Mai 2016)